Der Zwillingssee von Sete Cidades

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Das Naturwunder São Miguels, um das sich Legenden ranken

Es gibt Orte, die mehr sind als eine Sehenswürdigkeit. Orte, die Geschichten erzählen, sobald man innehält und hinsieht. Sete Cidades im Westen der Azoreninsel São Miguel ist ein solcher Ort. Die gewaltige Vulkan-Caldeira mit der Lagoa Azul und der Lagoa Verde zählt zu den bekanntesten Naturwundern der Azoren. Um die beiden Kraterseen ranken sich seit Jahrhunderten Legenden – und sogar Geschichten über das sagenumwobene Atlantis.

Sete Cidades – Erleben Sie entspannende Naturpanoramen und aktive Erholung auf Sao Miguel.
Blick vom Aussichtspunkt auf die Zwillingsseen von Sete Cidades – zwei Farben, ein Krater und die stille Magie der Azoren © adobestock_810850838

Das Naturwunder der Azoren

Sete Cidades zählt zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Azoren. Im Westen von São Miguel liegt eine beeindruckende Vulkan-Caldeira, deren Herzstück die beiden Kraterseen Lagoa Azul und Lagoa Verde bilden. Vor rund 22.000 Jahren entstand der Zwillingssee durch gewaltige Vulkanausbrüche. Sie formten eine etwa 5 Kilometer breite Caldeira, in der die beiden Seen heute auf 260 Metern Höhe liegen. Gemeinsam bedecken sie knapp 7 km² und erreichen Tiefen von bis zu 33 Metern.

Je nach Licht, Wetter und Vegetation schimmern die Seen in unterschiedlichen Blau- und Grüntönen. Mal spiegeln sich Wolken auf der Wasseroberfläche, mal ziehen Nebelschwaden über den Kraterrand und verleihen der Landschaft eine beinahe mystische Atmosphäre.

Rund um die Caldeira eröffnen zahlreiche Aussichtspunkte und Wanderwege immer neue Perspektiven auf die Vulkanlandschaft. Im Tal liegt das Dorf Sete Cidades mit seinen weißen Häusern und der neugotischen Kirche, eingebettet in grüne Weiden und bewaldete Kraterhänge.

Wer hier steht, versteht sofort, warum der Zwillingssee von Sete Cidades als Wahrzeichen São Miguels gilt. Die eindrucksvolle Naturkulisse und das ständig wechselnde Licht machen diesen Ort zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Atemberaubender Panoramablick vom Miradouro Boca do Inferno auf grüne Landschaften und den See inmitten der Natur – perfekt für entspannte und unvergessliche Urlaubsmomente.
Panoramablick vom Aussichtspunkt Boca do Inferno auf Sete Cidades – der Kratersee in Grün und Blau, eingebettet in die wilde Landschaft von São Miguel © adobestock_376562438

Die Legende der zwei Seen: Lagoa Azul und Lagoa Verde

Lange bevor Geologen die Entstehung der Caldeira erklärten, suchten die Menschen nach anderen Antworten. So entstand eine der bekanntesten Legenden der Azoren, die bis heute eng mit Sete Cidades verbunden ist.

Der Erzählung nach lebte einst eine Prinzessin in einem prächtigen Königreich, die sich in einen einfachen Hirten verliebte. Weil ihre Liebe gegen den Willen des Königs war, erlaubte er ihnen nur einen letzten gemeinsamen Spaziergang. Als sie sich verabschieden mussten, weinten beide bitterlich. Aus den blauen Augen der Prinzessin entstand die Lagoa Azul, aus den grünen Augen des Hirten die Lagoa Verde.

Obwohl diese Geschichte längst als Legende gilt, prägt sie den Ort bis heute. Sie wird von Generation zu Generation weitererzählt und verleiht den beiden Seen eine Symbolik, die über ihre landschaftliche Schönheit hinausgeht. Natur und Erzähltradition verschmelzen hier auf besondere Weise – ein Charakterzug, der vielerorts auf den Azoren spürbar ist.

Die Wissenschaft erklärt die unterschiedlichen Farben der Seen natürlich anders. Je nach Sonnenstand, Wolken, Wassertiefe und Vegetation verändert sich das Farbenspiel ständig. Mal wirken beide Seen nahezu gleich, mal treten die Blau- und Grüntöne besonders intensiv hervor. Gerade diese Wandelbarkeit macht Sete Cidades für Fotografen und Naturliebhaber faszinierend.

Vielleicht liegt genau darin die Stärke der Legende. Sie erklärt nicht die Natur, sondern beschreibt, was Besucher bis heute empfinden: dass dieser Ort etwas Besonderes ausstrahlt. Zwischen den steilen Kraterwänden, den stillen Wasserflächen und dem wechselnden Licht fällt es leicht, sich vorzustellen, wie solche Geschichten entstehen konnten.

Doch die Legende von der Prinzessin und dem Hirten ist nicht die einzige Erzählung, die sich um Sete Cidades rankt. Seit Jahrhunderten regt die außergewöhnliche Landschaft die Fantasie von Reisenden und Forschern an – und führte sogar zu Spekulationen über eines der größten Rätsel der Menschheitsgeschichte.

Ein mögliches Echo von Atlantis?

Nicht nur die Legende der zwei Seen machte Sete Cidades berühmt. Im 19. Jahrhundert entstand eine weitere faszinierende Theorie: Könnte die gewaltige Vulkanlandschaft Teil des sagenumwobenen Atlantis gewesen sein?

Ausgangspunkt dieser Überlegungen waren die Schriften des griechischen Philosophen Platon. Er beschrieb Atlantis als mächtiges Inselreich jenseits der „Säulen des Herakles“, das nach einer Naturkatastrophe im Meer versank. Da die Azoren mitten im Atlantik liegen und vulkanischen Ursprungs sind, vermuteten einige Gelehrte und Entdecker hier mögliche Spuren dieser untergegangenen Welt.

Wissenschaftliche Belege gibt es dafür nicht. Dennoch zeigt die Geschichte, welche Faszination Orte wie Sete Cidades, Furnas oder die Lagoa do Fogo seit Jahrhunderten ausüben. Die gewaltigen Calderen, tiefen Kraterseen und die häufig über die Vulkanlandschaften ziehenden Nebelschwaden verleihen São Miguel eine geheimnisvolle Atmosphäre, die Raum für Fantasie lässt.

Ob Prinzessin und Hirte, Atlantis oder andere Geschichten, die von den mystischen Landschaften geprägt sind – alle erzählen letztlich von der besonderen Wirkung der Inseln der Azoren. Sie zeigen, dass Orte wie Sete Cidades weit mehr sind als geologische Sehenswürdigkeiten. Es sind Landschaften, die Menschen seit Generationen inspirieren und bis heute ihre Vorstellungskraft beflügeln.

Die schönsten Aussichtspunkte an der Caldeira

Kaum ein Ort auf São Miguel bietet so viele unterschiedliche Perspektiven auf eine einzige Landschaft wie Sete Cidades. Jeder Aussichtspunkt eröffnet einen neuen Blick auf die Caldeira und ihre Kraterseen. Wer etwas Zeit mitbringt, sollte deshalb nicht nur einen Fotostopp einlegen, sondern mehrere Miradouros miteinander verbinden. Besonders in den Monaten, in denen die blühenden Hortensien die Straßen säumen, wird die Fahrt durch die grüne Vulkanlandschaft zu einem unvergesslichen Erlebnis. Die Milde des Azoren Klimas sorgt dafür, dass die Vegetation rund um Sete Cidades fast das ganze Jahr über üppig bleibt.

Miradouro da Vista do Rei

Der Miradouro da Vista do Rei ist der wohl bekannteste Aussichtspunkt der Azoren. Von hier eröffnet sich der klassische Panoramablick auf die Lagoa Azul und die Lagoa Verde – jenes Motiv, das auf unzähligen Postkarten und Reiseführern zu sehen ist.

Seinen Namen, „Aussicht des Königs“, verdankt der Miradouro einem Besuch des portugiesischen Königs Dom Carlos I. im Jahr 1901. Noch heute zählt der Aussichtspunkt zu den beliebtesten Fotomotiven São Miguels.

Direkt daneben erhebt sich das ehemalige Hotel Monte Palace. Das verlassene Gebäude erinnert an die wechselvolle Geschichte des Tourismus auf den Azoren und bildet einen ungewöhnlichen Kontrast zur unberührten Natur der Caldeira. In den Sommermonaten setzen blühende Hortensien entlang der Straßen und Wege zusätzliche Farbakzente und unterstreichen den besonderen Charakter dieser Landschaft.

Miradouro da Boca do Inferno

Nur wenige Minuten entfernt wartet einer der spektakulärsten Aussichtspunkte des gesamten Archipels. Der Miradouro da Boca do Inferno ist über einen kurzen Wanderweg erreichbar und belohnt mit einem nahezu vollständigen Blick über die Caldeira.

Von hier lassen sich nicht nur die beiden berühmten Kraterseen erkennen, sondern auch die kleinere Lagoa de Santiago sowie die umliegenden Vulkankegel. Besonders bei klarer Sicht, wie es auf den Azoren im Herbst häufig vorkommt, vermittelt dieser Aussichtspunkt eindrucksvoll die gewaltigen Dimensionen der Landschaft.

Lagoa de Santiago

Zwischen den bekannten Aussichtspunkten verbirgt sich mit der Lagoa de Santiago ein weiterer Höhepunkt. Der kleinere Kratersee liegt tief eingebettet zwischen steilen, dicht bewachsenen Hängen und wirkt deutlich ursprünglicher als die beiden großen Nachbarseen.

Gerade am frühen Morgen oder am späten Nachmittag entfaltet die dunkelgrüne Wasserfläche ihren besonderen Reiz. Wer Sete Cidades etwas ruhiger erleben möchte, sollte diesen Aussichtspunkt unbedingt einplanen.

Miradouro do Cerrado das Freiras

Weniger bekannt, aber nicht weniger beeindruckend, ist der Miradouro do Cerrado das Freiras. Von hier schweift der Blick weit über die gesamte Caldeira und vermittelt einen guten Eindruck von ihrer gewaltigen Ausdehnung.

Da sich die Besucherströme meist auf Vista do Rei und Boca do Inferno konzentrieren, geht es hier oft deutlich ruhiger zu. Gerade Fotografen und Naturliebhaber schätzen diesen Aussichtspunkt wegen seiner entspannten Atmosphäre.

Unser Tipp für Sete Cidades

Das Wetter in Sete Cidades kann sich innerhalb weniger Minuten ändern. Das typische Klima der Azoren mit wechselnden Wetterlagen sorgt dafür, dass Wolken häufig über den Kraterrand ziehen und den Blick auf die Seen genauso schnell wieder freigeben, wie sie ihn verdecken. Lassen Sie sich deshalb von einer ersten Nebelwand nicht entmutigen. Oft genügt etwas Geduld – oder ein kurzer Wechsel zum nächsten Aussichtspunkt –, um die Caldeira in ihrer ganzen Schönheit zu erleben. Aber wann ist die beste Reisezeit für die Azoren? Besonders während der Hortensienblüte lohnt sich ein Besuch, wenn die Straßenränder und Hänge rund um Sete Cidades in leuchtenden Blau- und Violetttönen erstrahlen.

Gut zu wissen: Die Landschaft der Azoren ist aufgrund des milden Klimas und der hohen Luftfeuchtigkeit ganzjährig von einer üppigen Vegetation bedeckt. Die Inseln sind Heimat vieler endemischer Pflanzenarten, die nirgendwo sonst auf der Welt zu finden sind. Die grünen Wälder und Wiesen, und die malerischen Gärten auf Sao Miguel bieten eine perfekte Kulisse für Naturliebhaber und Fotografen auf Tour.

Sete Cidades aktiv erleben

Die beeindruckenden Aussichtspunkte sind nur ein Teil dessen, was Sete Cidades zu bieten hat. Wer etwas mehr Zeit mitbringt, kann die Vulkanlandschaft auf vielfältige Weise zu Fuß entdecken – bei einem Spaziergang durch das kleine Dorf am Ufer der Kraterseen oder beim Wandern am Kraterrand.

Rund um Sete Cidades führen mehrere Wanderwege durch die eindrucksvolle Vulkanlandschaft. Besonders beliebt ist der Panoramaweg entlang des Kraterrands. Der Rundweg um die Lagoa Verde und die Lagoa Azul führt durch dichte Wälder, über grüne Wiesen und entlang der Ufer der beiden Seen. Der gut gepflegte Weg eignet sich sowohl für erfahrene Wanderer als auch für Familien mit Kindern. Mit einer Dauer von etwa zwei bis drei Stunden ist diese Tour eine ideale Möglichkeit, die besondere Atmosphäre der Caldeira von Sete Cidades intensiv zu erleben.

Wer die Landschaft rund um Sete Cidades intensiver erleben möchte, findet auf São Miguel zahlreiche Möglichkeiten für abwechslungsreiche Azoren Aktivitäten. Mehrere Routen führen zu den höheren Punkten der Region und eröffnen spektakuläre Panoramablicke über die Kraterlandschaft. Eine davon ist der Weg zum Pico das Éguas, einem der höchsten Gipfel rund um Sete Cidades. Der teilweise steile Anstieg erfordert eine gute Kondition, belohnt aber mit beeindruckenden Aussichten auf die Lagoa Azul, die Lagoa Verde und die umliegende Vulkanlandschaft.

Auch empfehlenswert ist eine Wandertour zum Lagoas do Canario. Die Wandertour führt durch eine der schönsten Landschaften im Westen der Insel und lässt sich ideal mit einem Besuch des berühmten Miradouro da Boca do Inferno kombinieren.

Übernachten Sie in Mosteiros, wo das Meer am schwarzen Sandstrand Geschichten erzählt? Dann lohnt sich die Wanderung nach Sete Cidades besonders. Sie führt durch die beeindruckende Vulkanlandschaft des Inselwestens und zählt zu den schönsten Touren auf São Miguel. Mehr zur Route erfahren Sie in unserem Artikel über Mosteiros.

Tipps für die Anreise und Unterkunft

Sete Cidades ist von dem Flughafen Ponta Delgada der Insel São Miguel aus mit dem Auto/Mietwagen oder öffentlichen Verkehrsmitteln in etwa 30 Minuten gut zu erreichen. Sete Cidades bietet eine Vielzahl an verschiedenen Unterkünften – vom luxuriösen Azoren Hotel und Resorts bis hin zu gemütlichen Bed & Breakfasts und Ferienwohnungen. Für diejenigen, die die Natur hautnah erleben möchten, gibt es ländliche Unterkünfte. Diese Hotels und Gästehäuser sind oft in traditionellen azoreanischen Häusern untergebracht. Viele von ihnen bieten auch zusätzliche Annehmlichkeiten wie Pools, Gärten und Terrassen, auf denen man die Ruhe und Schönheit der Umgebung genießen kann. Bei der Buchung einer Unterkunft in Sete Cidades ist es ratsam, im Voraus zu reservieren, insbesondere in der Hochsaison, um sicherzustellen, dass Sie die beste Wahl für Ihren Aufenthalt haben und ihre Reisen ein wahres Erlebnis werden.

Fazit: Warum Sete Cidades auf keiner Reise nach São Miguel fehlen sollte

Sete Cidades ist weit mehr als ein spektakulärer Aussichtspunkt. Die gewaltige Caldeira, die beiden berühmten Kraterseen und die zahlreichen Legenden verleihen diesem Ort eine Ausstrahlung, die Besucher lange in Erinnerung behalten.

Ob bei Wanderungen entlang des Kraterrands oder beim Blick vom Miradouro da Boca do Inferno – jede Perspektive zeigt eine andere Facette dieses außergewöhnlichen Naturwunders. Wer São Miguel besucht, sollte sich deshalb Zeit nehmen, Sete Cidades nicht nur zu sehen, sondern die Landschaft mit all ihren Geschichten und Stimmungen bewusst zu erleben. Hier sind die Azoren echt zu jeder Jahreszeit.

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